Liebe Eltern - Don´t worry, be happy

Als Mama von zwei Kids scheint man Anderen vermeintlich etwas voraus zu haben.

Man hat wahrscheinlich die Feuerprobe überstanden, vielleicht sogar mit zwei Sternchen oder so.

So fühlt es sich zumindest manchmal an, wenn man in die Augen einer schwangeren Freundin blickt, welche soeben ihre ersten Fragen an einen richtet.

Aber Moment mal, Feuerprobe bestanden - wer entscheidet das eigentlich?

 

Wer vergibt einem die Sternchen? Wie, es gibt keine?

 

Meine Nachbarn sind diesen Sommer ausgezogen - sie hatten zwei kleine Mädchen, so dass ich mit meinen zwei Räubern im Erdgeschoss des gediegenen Altbaus nie das Gefühl hatte mit meinem Chaos gänzlich allein zu sein.

Als wären wir halt das laute Fundament des Hauses, welches gegen 18:30 Uhr wieder verstummt.

Nun zog vor ein paar Wochen eine neue Nachbarin ein - nennen wir sie Simone. Wir stellen uns gegenseitig vor.

 

"Wir sind übrigens die lautesten Leute hier - zwischen 16:00 Uhr und 19:00 Uhr zumindest.

Wir gehen aber auch viel raus und manchmal hat jemand auch mal schlechte Laune - das hört man dann eventuell bis in den dritten Stock."

 

Sie lächelt und meint, dass sei in Ordnung. Puh - Glück gehabt! Ehrlich währt am längsten. Meine Kinder rollen mit den Augen -  "Mensch, Mama!" Hätte auch anders laufen können.

 

Zum Beispiel hat die neue Frau meines Schwiegervaters, einen Satz immer sehr gern gesagt:

 

Millionen von anderen Frauen haben das auch schon geschafft.

 

Äh, was denn geschafft ? Unentdeckt die Kinder groß zu ziehen?

Wo wart ihr denn? Im Dschungel .... so bis nach der Pupertät? Scherz beiseite, Erziehung ist nicht einfach!

Ständig ist man selbst auf der Suche nach dem non - plus - Ultra der Kindererziehung. Ach, authentisch muss sie auch sein und nicht zu vergessen mit dem Löffel voll Zucker - aber Bitte nicht im übertragenen Sinne.

Den Zucker brauchen wir Mütter, um unsere Motivtorten zu basteln und hochzuladen.

Viele Mamas werden verstehen was ich meine: been there, done that.

 

Im Zeitalter des World Wide Web stellen sich uns Müttern ganz neue Herausforderungen und ja, es sind auch Möglichkeiten. Als ich noch als Erzieherin tätig war, sagte da eine weise Frau, welche das Amt der stellvertretenden Leitung bekleidete etwas sehr interessantes:

 

"Man muss mit seinem Handwerk klappern."

 

Um das zu tun müssen Mütter und Väter aber erst einmal wieder erkennen, was sie tatsächlich leisten - und das im positiven Sinne. Oft sehen Eltern doch nur, was optimierungsbedürftig ist... !

Man fragt sich sogar:

 

Mit wieviel Monaten läuft das Kind, ab wann ist es gekrabbelt und wann spricht es die ersten Wörter?

 

Viele Mitmütter sind total besorgt und schämen sich mittlerweile, wenn man mit ihnen spricht und sie eventuell nicht stillen konnten oder das Kind sich mit dem Laufen Zeit lässt. Moment mal, können wir mal kurz eine Lanze brechen für alle Eltern dieser Erde?

 

Wie oft haben wir erfolgreich einem Infekt die Stirn geboten, ganze Lausstaaten auf dem Haupt unserer Kinder ausgelöscht und, wieviele Pflaster schon aufgeklebt?

Wie oft pusten wir Schmerzen weg oder zaubern Geschenke aus dem Ohr unserer Kinder?

Geburtstage feiern wir als käme die Queen vorbei - jedes Eventmanagement würde pleite gehen, wenn wir uns selbstständig in die Welt wagten mit unseren Partyideen.

Unsere Kinder sind satt, gesund und glücklich.

Ja, manchmal sind sie schmutzig und frech - aber das gehört dazu!

 

Meine Tochter hat mit ca. 3 Jahren mal einen Jogurt gegessen. Soweit eigentlich kein Drama. Leider gab es als Beilage im Jogurt noch Schokokügelchen mit knusprigem Kern.

Jedenfalls fing meine Tochter plötzlich an nervös zu werden und machte mir klar, dass sie eine der Kügelchen in ihr Nasenloch gesteckt hatte.

Die Frage, warum sie diese Kugel denn in ihre Nase gesteckt hatte konnte sie mir nicht beantworten, aber viel wichtiger war auch - wie bekommen wir die Kugel wieder raus?

Man kann sich gar nicht vorstellen, in was für einer Aufregung sich solche Szenarien abspielen - immerhin soll und möchte man ja als Mama ruhig bleiben.

 

Die Kugel ist zumindest raus und mein Kind mittlerweile acht Jahre alt. Irgendwie bekommt man so eine Kugel doch raus. (Ich hab ihr mit leichtem Druck über den Nasenrücken gestrichen.... so ging es dann).

Wie man sieht Jogurt ist nicht nur Jogurt, genauso wie Laufrad nicht nur Laufrad ist, wenn die Kids mit vollem Karacho bis 1 mm vor der Borsteinkante fahren.

Eigentlich sieht es anfangs noch aus wie ein Spaziergang. Man schlendert so daher mit Freunden und lächelt den Kindern zu, wie sie so mit ihren Rädern fahren.

 

Vorsicht !!!!! Einfahrt!!!!

 

Puh, ist nochmal gut gegangen. Fahr bitte um den Hund herum und nicht drüber weg... !

Und dann kommt ja noch das Ende der Straße.

Die Augen der Eltern werden größer - ähm "Name des Kindes" ....?!!!! Halloooo!!???

Und dann schreit man meist doch aus vollem Leibe: Stehenbleeeeeiiiben!!!!! Stop!!!!

Ich nehme an alle in der Nachbarschaft wissen bereits was los ist, ohne aus dem Femster zu schauen.....

Kopfkino:

"Ach Heribert, das sind nur wieder die überambitionierten Mütter mit ihren in Pünktchen verhüllten, Finkidmützen tragenden Kindern".

Die Kids bremsen und drehen sich natürlich grinsend um - warum schreit ihr denn so? - wir wissen schon, dass wir nicht einfach so über die Straße dürfen....!

Also was können wir tun, damit Eltern sein nicht mehr wie ein unüberbrückbares Wagnis klingt?

 

Na eines können wir Miteltern auf jeden Fall tun!

 

Nett zueinander sein. Damit nehmen wir den neuen Eltern in unserer Runde ein Stückchen Last schonmal von den Schultern. Wenn unsere Kids mal nicht gut gelaunt sind und zwei Häuserblocks entlang schreien, so dass man fürchten muss die Häuser stürzen gleich ein, vielleicht ein kleines Lächeln schenken anstatt ein Kopfschütteln. Wenn wir anstatt Selbstgekochtes, doch nur Pizza bestellen, wenn Babys weinen und das Stillen der Mutter noch nicht so leicht fällt, einfach mal Ruhe bewahren.

 

Den ersten Schnupfen meiner Tochter begrüßten wir in der Erste-Hilfe-Station des hiesigen Krankenhauses. Damals stand auf dem Zettel des Arztes mit der Diagnose auch sowas wie: besorgte Eltern.

Der Papa völlig aufgelöst, denn das Kind bekommt nicht so gut Luft und ich stelle dem Arzt die gleiche Frage zehnmal nur anders, man will halt nichts falsch machen.

Können wir nicht alle gemeinsam ausprobieren, forschen und entdecken? Fertige Eltern sind wir doch alle nicht!

Am meisten, so stelle ich immer wieder fest, fällt es vielen Müttern schwer mit der Menge an Kritik umzugehen, den vielen Ratschlägen und den Verbesserungsvorschlägen.

 

Ich beschwichtige meine Freundin augenzwinkernd im Gespräch:

"Das ist nur beim ersten Kind so..."

Ist das eigentlich die Feuerprobe? Setzen wir uns vielleicht alle zu sehr unter Druck?

Wäre es nicht schön alles etwas wohlwollender und freundlicher zu gestalten?

 

Meine Schwägerin ruft an:

Mein Neffe hat sich gestoßen. Sie fragt sich warum sie nicht im rechten Moment wie ein Kamikaze - Martial Arts Ninja dazwischen gesprungen ist?

Naja so formuliert sie es natürlich nicht, aber so hätte es womöglich ausgesehen.

Ich versichere ihr, dass sowas allen Kindern passiert und höre aufmerksam zu, was Sie jetzt mit der kleinen Beule macht.

 

Also welcome to the Eltern adventure!

 

Nicky

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Kommentare: 1
  • #1

    Isis Rusin (Freitag, 03 Februar 2017 08:04)


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Nicky

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Nicky

Nicky 34 jahre alt , Berlinerin mit schottischem Migrationshintergrund, Mama mit Herz und KreativChaos,

ein Sohn und eine Tochter- oder Vampirprinzessin, Überlebenskünstlerin des Alltags und somehow Familienheldin I guess...

Bastian

Bastian
Bastian

28 Jahre, Jenenzer mit Bodensee-kenntnissen und seit einigen Jahren Berliner, Papa von einem Sohn, Gründer von GoodHands, Erzieher, Musikliebhaber,

Sportler ohne Zeit für den

Sport zu haben, vieles mehr und

Familienheld!